Natalie wird in Winterberg unter schwierigen Bedingungen 11.

Es war keine einfache Weltcup-Woche im deutschen Winterberg. Schon in den ersten Trainings wurde klar, dass die Bahn in äusserst schlechtem Zustand war: Es gab reihenweise Stürze, Videoaufnahmen zeigen, dass die Schlitten wegen dem unebenen Eis teilweise mehr fliegen als fahren. Auf dem Eis sind die Schlitten kontrollierbar, aber in der Luft kann die kleinste Gewichtsverlagerung ungeahnte Folgen haben - und das auf einer Hochgeschwindigkeitsbahn, auf der Spitzengeschwindigkeiten von 130km/h erreicht werden. Ein bisschen also, als ob man auf einer sehr kurvigen Autobahn für die nächsten 50 Sekunden das Steuer loslassen würde.

Das Fazit der Athleten über alle Nationen hinweg war klar: Die Bahn war zu unsicher und ein Rennen darauf abzuhalten, wäre eine Zumutung. Die Dachorganisation der Rodler (FIL) aber meinte, sie hätten die Bahn kontrolliert und sie sei fahrbar. Das Rennen werde stattfinden. Es folgte eine Welle von Athleten, welche bekannt gaben, dass sie das Rennen boykottieren würden: Das gesamte deutsche Doppel-Team etwa, mit dem Duo Eggert/Benecken, welche vor einem Jahr auf dieser Bahn Weltmeister wurden; der zweifache Weltmeister Roman Repilov; die Österreicher und Amerikaner zogen jeweils gleich ihr komplettes Team aus dem Rennen zurück. (Vergl. dazu auch den Artikel aus der Sportschau des ARD: “ Paukenschlag in der Eisrinne - deutsche Rodler boykottieren Winterberg”.) Gestern Freitag kam dann die Entscheidung, dass das Rennen mit tieferen Starthöhen durchgeführt werde, mit dem Ziel, dass die Geschwindigkeiten etwas reduziert werden sollten. Tiefere Starthöhen bedeuten aber andere Fahrlinien, die keiner der Athleten zuvor trainiert hatte.

Das Rennen der Damen wurde dann heute mit einer deutlich kürzeren Startliste als üblich durchgeführt. Nur 18 Athletinnen fuhren mit, und alle hatten deutliche Probleme mit der Bahn. Stürze gab es zum Glück bei den Damen keine - dafür ein paar Stunden später bei den Herren. Natalie selbst hatte auch Mühe mit der Bahn und brachte keine sauberen Läufe ins Ziel. Mit über einer Sekunde Rückstand auf die Siegerin Eliza Cauce (LAT) erreichte sie den 11. Rang. Dementsprechend zeigte sie sich nach dem Rennen frustriert. “Ich war unentspannt und habe mich zu sehr auf das ganze Drama rund um das Rennen konzentriert,” meinte sie nach dem Rennen. “Das war nicht gut. In dem Moment, als ich mich entschieden habe, das Rennen mitzufahren, hätte ich mich damit abfinden müssen.” Das fiel ihr aber schwer, denn die Diskussion um den Zustand der Bahn und die Reaktion der FIL auf die Athleten haben die ganze Woche dominiert: “Die FIL hat mit der Durchführung dieses Rennens eine falsche Entscheidung getroffen. Es ist lächerlich, am Tag vor dem Rennen die Starthöhen zu ändern - ich bin zum letzten Mal von dieser Höhe gefahren, als ich 14 Jahre alt war. Die FIL hat die Meinung der Athleten durchs Band ignoriert, obwohl es vor allem zu Beginn der Woche schlicht zu gefährlich war, auf dieser Bahn zu fahren.” Das Rennen ist sie trotzdem mitgefahren, weil ihre Trainer ihr dazu geraten haben. “Solange der Wettkampf durchgeführt wird, geht es um Weltcup-Punkte,” sagte sie. “Ich kann es mir nicht leisten, Punkte zu verschenken, auch wenn ich mit dem Rennen nicht einverstanden war.”

Natalie wird dieses Rennen nun als ein dunkles Kapitel in dieser Saison abhaken. Sie steht im Gesamtklassement im Moment immer noch an 11. Stelle und konnte sich weiterhin in der Gesetztenliste halten. Das letzte Weltcup-Wochenende dieser Saison findet nächste Woche in Königssee statt und wird hoffentlich den schlechten Nachgeschmack von Winterberg beseitigen können. Das Rennen der Damen wird am Samstag 29. Februar um 12:50 Uhr (1. Lauf) und 14:15 Uhr (2. Lauf) ausgetragen. Wie immer könnt ihr das Rennen im Livestream mitverfolgen - haltet die Augen offen für die Schweizer Fans, die nächste Woche an der Bahn mit dabei sein werden!

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